Ehrenmord

Die UNO schätzt, dass mindestens 5000 Frauen jedes Jahr im Namen der Ehre sterben

UNO-Resolution um gegen Verbrechen im Namen der Ehre zu kämpfen

Ehrverbrechen / Gewalt im Namen der Ehre

Eine Praxis babylonischer Herkunft

Bei Ehrverbrechen handelt es sich um eine Tradition, die insbesondere in den patriarchalen Gesellschaften des Mittleren Ostens, Pakistans, der Türkei, des Tschad und gewisser Regionen Lateinamerikas vorkommt. In der arabischen Welt wurden Ehrverbrechen bereits vor dem Aufkommen des Islams begangen, und zwar in allen soziokulturellen Milieus. Diese Tradition ist nirgends gesetzlich verankert und wird auch von keiner Religion vorgeschrieben. Personen verschiedenster Religionszugehörigkeiten begehen Ehrverbrechen, diese sind also nicht nur einem bestimmten Glauben zuzuordnen.

Die Ehre der Familie

Die grausame Praktik der Ehrverbrechen legitimiert die Ermordung einer Tochter oder einer jungen Frau durch ein Familienmitglied, wenn sie verdächtigt wird, den Ehrenkodex der Familie verletzt zu haben. Die Regeln dieses Kodex unterscheiden sich zwar je nach Gesellschaft, ihnen allen ist aber gemein, dass jegliches Verhalten, welches die Jungfräulichkeit eines Mädchens in Frage stellt, unter Strafe steht und ein Ehrverbrechen zur Folge haben kann. Zu diesen «Verhaltensweisen» zählen: Eine Liebesbeziehung zu führen (oder auch nur, dessen verdächtigt zu werden), Opfer einer Vergewaltigung oder von Inzest zu sein, mit einem Jungen gesehen zu werden, unschickliche Kleidung zu tragen, spät nach Hause zu kommen, mit einem Freund zu telefonieren, etc. In den Augen der Familie verkörpert das Mädchen die Familienehre. Wird dessen physische Integrität verletzt - oder wenn auch nur die Annahme dazu besteht –, wird folglich auch die Familienehre beschmutzt. In diesem Fall muss die Ehre mit dem Blut der Schuldigen «reingewaschen» werden.

Die Familie bestimmt die Person, welche die erlittene Schmach rächen muss. Meist ist es der Vater, der Bruder, der Cousin oder ein anderer Verwandter, häufig wird ein Minderjähriger ausgewählt, der wegen seines jugendlichen Alters eine mildere gesetzliche Strafe erwarten kann.

Die jungen Mädchen werden auf unterschiedliche Art und Weise umgebracht, sie werden vergiftet, erschossen, erwürgt, erdolcht, ihnen wird die Kehle durchgeschnitten, sie werden mit Benzin übergossen oder verbrannt. Nach der Tat wird der Täter wie ein Held von seiner Familie empfangen, oftmals stellt er sich selbst der Polizei, welche jedoch meist untätig bleibt.

Unschuldige Mädchen

Die Zahl der Ehrenmorde nimmt zu, trotz der Tatsache, dass die Opfer fast immer «unschuldig» sind, d.h. dass die Mädchen die ihnen angelastete «Tat» (der Verlust der Jungfräulichkeit) nicht begangen haben (aus den Autopsien des Jordanischen Instituts für Rechtsmedizin geht hervor, dass 80% der ermordeten jungen Frauen noch Jungfrauen waren). Die Mörder werden meist nur zu kurzen Haftstrafen verurteilt (die Strafen dauern zwischen sechs Monaten und zwei Jahren), oft werden sie sogar nach einigen Monaten wieder aus der Haft entlassen. Nicht selten werden die Täter gar nicht verurteilt, da sie nach öffentlicher Meinung «keine Wahl hatten» und nur «taten, was sie tun mussten». Auf die lokalen Gesetze ist diesbezüglich kein Verlass.

 

 

Das erste in Buchform erschienene Selbstzeugnis eines Ehrverbrechens

Souad ist 17 Jahre alt, und sie ist verliebt. Aber eine voreheliche Liebschaft bedeutet in ihrem Dorf – wie in vielen anderen Dörfern auch - der sichere Tod. Souad wird als «entehrte» Frau angesehen. Ihre Familie beauftragt einen Schwiegersohn damit, das Mädchen umzubringen, um auf diese Weise die verletzte Familienehre wieder herzustellen.
Souad überlebt wie durch ein Wunder, erleidet aber schwerste Verbrennungen. Sie hat sich dazu entschlossen, für all diejenigen ihre Stimme zu erheben, die in diesem Moment für ihre Rechte ihr Leben aufs Spiel setzen. Souad wagt es, über Ehrverbrechen zu sprechen. Sie möchte der Welt die Grausamkeit dieser Praktik vor Augen führen und riskiert dafür ihr Leben, denn eine solche Schmach für die Familie gilt als unverzeihlich.